Für Kinder und Eltern

Woran erkennt man einen Hörverlust bei Kindern?

Es sind verschiedene Anzeichen für einen Hörverlust bei Kindern bekannt. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung häufig auftretender Symptome, die jedoch nicht den Anspruch der Vollständigkeit erhebt. Sollten Sie einen Hörverlust bei Ihrem Kind vermuten, wenden Sie sich bitte an Ihren Kinderarzt. Zudem besteht die Möglichkeit einen kindgerechten Hörtest durch die erfahrenen Pädakustiker in unserem Kinderhörzentrum durchführen zu lassen.

Mögliche Hinweise

  • ein nicht bestandener Neugeborenen-Hörtest
  • familiäre Veranlagung
  • pränatale Infektionen
  • Medikamente mit toxischer Wirkung für das Ohr
  • Bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung)
  • Kommunikationsmangel oder Entwicklungsrückstand
  • Mittelohrentzündungen über drei Monate oder länger

Darüber hinaus stellt Lärm eine vielfach vermeidbare Ursache von Schwerhörigkeiten dar. Laute Geräusche können die Haarsinneszellen vorübergehend oder dauerhaft schädigen. Fahrzeuge, Maschinen, Spielzeuge, Stereoanlagen oder Kopfhörer können Lärm produzieren, der eine schädliche Auswirkung auf das kindliche Gehör hat. Kinder sollten auf die Gefahren von Lärm aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen werden, sich vor lauten Schallereignissen zu schützen.

So hören Kinder

Die Hörschnecke (Cochlea/Innenohr) ist bereits in der 20. Schwangerschaftswoche voll ausgebildet und funktionsfähig. Das bedeutet, dass sich Kinder noch vor ihrer Geburt an die Stimme ihrer Mutter und anderer Personen gewöhnen können. Das Kind kann somit auch Musik oder andere Geräusche wahrnehmen, die als beruhigend empfunden werden, da sie das Kind mit seinem behüteten Dasein in der Gebärmutter assoziiert.

Die Cochlea eines Neugeborenen ist nach der Geburt genauso empfindlich wie die eines Erwachsenen, doch müssen Babys erst lernen, mit ihrer Hörfähigkeit umzugehen, um die Grundlagen der Kommunikation zu entwickeln. Eine der ersten und einfachsten Hörleistungen, die Sie bei Ihrem Baby beobachten können, ist die Lokalisierung, d.h. die Fähigkeit, die Herkunft eines Geräusches zu erkennen. Weil wir mit zwei Ohren (binaural) hören, sind wir in der Lage, Geräusche mit äußerster Genauigkeit zu lokalisieren (Richtungshören).

Beobachten Sie die Hörfähigkeit Ihres Kindes. Wenn Neugeborene ein lautes Geräusch hören, bewegen sie sich in der Regel oder machen die Augen weit auf. Man nennt dies den Schreckreflex. Viele laute Geräusche sollten diesen Reflex auslösen. Wenn Ihr Baby ungefähr fünf oder sechs Monate alt ist, können Sie eine echte Lokalisierungsreaktion besser erkennen, indem Sie hinter oder neben ihm leise Geräusche machen, während es geradeaus schaut (vergewissern Sie sich, dass es Sie dabei nicht sehen kann). Ein leises Klappern oder Flüstern sollte Ihr Baby veranlassen, seinen Kopf in Richtung des Geräusches zu wenden.

Hörgesunde Kinder erschrecken bei sehr lauten Geräuschen. Sehr wichtig ist aber auch festzustellen, wie gut Ihr Baby auf leise Geräusche reagiert, zum Beispiel auf den Sprachlaut "s". Im Laufe seines ersten Lebensjahrs wird Ihr Baby seine Hörfähigkeit verfeinern und sollte aufmerksam nach der Quelle alltäglicher Geräusche im Haus, wie z. B. das Klingeln an der Tür oder des Telefons, eine zuschlagende Tür, spielende Kinder, ein Musikspielzeug sowie Sprache suchen.

Wer sind meine Ansprechpartner

Neben Fachärzten und Pädaudiologen sind Pädakustiker Ihre Ansprechpartner bei Hörstörungen im Kindesalter. Pädakustiker sind Hörgeräte-Akustiker, die eine spezielle Ausbildung an der Akademie für Hörgeräteakustik absolviert haben.

Voraussetzungen für diese Ausbildung sind Grundkenntnisse bzw. Erfahrungen auf dem Gebiet der Versorgung hörgeschädigter Kinder. Die Lehrinhalte und Fortbildungen werden permanent durch neue
Forschungsergebnisse sowie praktische Erfahrungen komplettiert. Pädakustiker werden damit der besonders anspruchsvollen Thematik der Hörsystemversorgung bei Kindern in hohem Maße gerecht. Dies ist notwendig, da die gesamte psychologische und psychosoziale Entwicklung des hörgeschädigten Kindes durch die Anpassung von Hörsystemen entscheidend geprägt wird.

Pädakustiker beschäftigen sich mit:

  • der allgemeinen Hör- und Sprachentwicklung
  • den Grundlagen der Hörsystemanpassung bei Kindern
  • Einzelheiten zur Rechtslage und Fördermaßnahmen
  • der kindgerechten Durchführung von Hörtests
  • der Beratung der Eltern, Erzieher und Lehrer
  • der Rehabilitation des hörgeschädigten Kindes
  • und der interdisziplinären Zusammenarbeit

Hörsysteme für Kinder

Die Anpassung von Hörsystemen bei Kindern ist besonders komplex. Für die Auswahl des richtigen Hörsystems müssen eine ganze Reihe von Faktoren individuell berücksichtigt werden. So haben z.B. der Zeitpunkt des Hörverlustes, der Grad der Schwerhörigkeit, das erzieherische Umfeld und die Kommunikationsgewohnheiten eine direkte Auswirkung auf die Vorauswahl.

Hörsysteme für Kinder müssen zudem über ein hohes Maß an Flexibilität verfügen. Die Änderung der Anpass-Strategie, vielfältige Parameter aber auch die individuelle Gestaltung der Hörsysteme spielen eine große Rolle. Die Pädakustiker in unserem Kinderhörzentrum können auf eine breite Palette an Hörsystemen auf verschiedenen technologischen Ebenen zurückgreifen. Die Systeme bieten optimale Anpassmöglichkeiten und sind in fröhlich bunten Farben erhältlich.